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Friedrich-von-Alberti-Gymnasium
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Seminarkurs 2017/18 Ru

Sich den Problemen stellen
Soziale Verantwortung als gesellschaftliche Herausforderung

Und wenn ich Hilfe brauche – was dann?

Der Seminarkurs 2017/18 „Die soziale Verantwortung als gesellschaftliche Herausforderung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, hinter die Fassade unserer schönen glitzernden Wohlstandswelt zu blicken. Tag für Tag wird uns suggeriert, dass wir die Macher unseres Lebens, die Schmiede unseres Glückes sind. Wenn wir uns nur anstrengen und immer funktionieren, dann wird das schon mit der Karriere, der Familie, dem erfüllten Leben.
Und wenn nicht, wenn ich Hilfe brauche, was dann? „Selber schuld“? „Pech gehabt“?
Wir haben uns Tina Wenk eingeladen, die bei der Diakonie Heilbronn im Bereich „Ambulante erzieherische Hilfen“ arbeitet. Sie hat uns ihre Arbeit vorgestellt und dabei wurde uns schnell klar, dass diese Frage die entscheidende Herausforderung für eine soziale und gerechte Gesellschaft ist.

Es folgt nun der Bericht von Saitha Thirunamasanmugam und Annika Bühler:
Am 7.11.17 war in unserer Seminarkurssitzung Frau Wenk von der Diakonie Heilbronn zu einem weiteren Expertengespräch zu Gast. Sie ist im sozialpädagogischen Bereich tätig und ist Teil der „Ambulanten Erzieherischen Hilfen “, kurz AEH. Um uns einen Überblick über die Aufgabenbereiche der AEH zu verschaffen, hielt sie uns eine PowerPoint-Präsentation.
Die Auftraggeber der AEH sind das Jugendamt und der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) Heilbronn.
Wichtige Bereiche sind beispielsweise die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) und die Erziehungsbeistandschaft (EBS). Grundsätzlich ist das Ziel der AEH, sozial benachteiligten Familien, insbesondere bei Erziehungsfragen und -problemen, aber auch bei allgemeinen Familienangelegenheiten, unter die Arme zu greifen und die Lebenssituation nachhaltig zu stabilisieren. Das kann von der Säuglingshilfe über Erziehungsfragen und dem Beistand bei familiären Konflikten bis zur Hilfe bei der Verselbstständigung junger Erwachsener gehen. Ziel ist stets die Hilfe zur Selbsthilfe. Angedacht ist, maximal ein Jahr in einer Familie zu helfen, was aber oft nicht realisierbar ist. Schwierigkeiten bei der Arbeit in der AEH sind zum Beispiel, dass die nächsten Generationen der Familien oft wieder Hilfe benötigen, dass es zu rechtlichen Problemen, zum Beispiel durch Verschuldung, kommt oder dass man während der Beratungszeit immer wieder Rückschläge hinnehmen bzw. mit Rückschlägen rechnen muss.
Die Klienten der AEH kommen aus unterschiedlichen Lebensverhältnissen und Gesellschaftsschichten. Unter ihnen befinden sich nicht nur Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger und Flüchtlinge, sondern auch Personen mit höherem Einkommen, die beispielsweise psychisch erkrankt sind, oder einfach Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder benötigen, weil sie alleine nicht mehr zurechtkommen.
Am Beispiel einer alleinerziehenden Mutter mit Kind und einer syrischen Familie machte Frau Wenk sehr eindrücklich deutlich, in welch schwierige Lebenssituationen Menschen geraten können und wie wichtig und vielschichtig hier professionelle Hilfe ist. Große Bedeutung haben dabei die immer wieder stattfindende kollegiale Beratung und die Begleitung der sozialpädagogischen Arbeit durch Supervision. Frau Wenk öffnete uns den Blick dafür, dass die Gesellschaft hohe Anforderungen an den Einzelnen stellt und die Soziale Arbeit deshalb auch als Vermittlungsfunktion verstanden werden kann und muss, um die Anforderungen dieser Gesellschaft zu erfüllen.
Zusammenfassend waren die Informationen von Frau Wenk sehr aufschlussreich. Ihr Appell an uns ist, dass jeder Bürger etwas zum Sozialwohl beitragen kann und auch sollte und es sehr viele Möglichkeiten dazu gibt.